Die Statik unserer Pferde
Wenn wir unser Pferd auf der Weide sehen, dann trabt und galoppiert es vorhandlastig. Mit hohem Kopf, um viel Überblicken zu können, und durchgedrücktem Rücken. Da das Pferd nicht durch einen Sattel oder Reitergewicht „belastet“ wird, entstehen hier (bei gutem Exterieur) keine Folgeschäden.
Wenn wir diesen Bewegungsablauf für unsere Reitpferde übernehmen würden, hätten diese alle einen großen Verschleiß in den Schultergliedmaßen und im cervicothorakalen Übergang (CTÜ).
Wie sieht die Biomechanik des Pferdes denn dann aus?
Der Schwerpunkt unserer Pferde liegt meist bei der 12. Rippe, also eher im Bereich der Vorderhand. Wie die meisten wissen, liegen ca. 58% des Körpergewichts auf der Vorhand und 42% auf der Hinterhand. Dadurch, dass die Vorderhand nun mehr Gewicht halten muss, ist diese auch mit mehr Sehnen durchzogen als die Hinterhand, diese hat mehr große fleischige Muskeln, um Kraft zu entwickeln.
Als Beispiel für ein besseres Verständnis nimmt man gern die Bogensehnenbrücke. (Bild) Dabei ist die gerade Bauchmuskulatur (M.rectus abdominis) die Fahrbahn. Die Brust- und Lendenwirbelsäule ist der Brückenbogen. Die senkrechte Unterstützung bieten die Rippen und die schräge Bauchmuskulatur. Dies bedeutet, dass nur durch eine ausgeprägte Bauchmuskulatur, welche als Antagonist zur Rückenmuskulatur dient, der Wirbelsäule ausreichend Stabilität geben kann. Die Kraftentwicklung, Effizienz und Leistungsfähigkeit der Muskeln kann nur verbessert werden, wenn das Pferd entlang der Skala der Ausbildung gearbeitet wird. Das bedeutet, wenn unser Pferd zu mehr Schubkraft kommt und vermehrt untertritt, überträgt sich die Kraft der Hinterhand über das abgekippte Becken in Richtung Brust- und Halswirbelsäule. Trägt das Pferd seinen Kopf in Höhe des Schultergelenks werden, die Dornfortsätze der Brustwirbelsäule auseinandergezogen und die gesamte Wirbelsäule wird aufgewölbt. Dies ist nur mit aktiver Hinterhand und aktivem Muskeleinsatz von Rücken, Bauch und Halsmuskulatur zu erreichen.
Streckt das Pferd sein Kopf bis zum Boden, ist dies ein passives Dehnen, da es hier nicht mehr zum aktiven Aufwölben des Rückens kommen kann.
Vielleicht habt Ihr auch schon mal ein Pferd gesehen, wo es aussieht, als würden Hinterhand und Vorderhand nicht zusammenpassen? Meist ist der Rücken verspannt, der Reiter kommt nicht zum Sitzen und das Pferd ist schlecht ausbalanciert. Bei diesen Pferden funktioniert die Kraftübertragung durch den Körper nicht und sie sollten von einem Therapeuten behandelt werden. Zusätzlich dazu sollte der Trainingsplan angepasst werden.







